Archiv für Februar 2016

Besser spät als nie… – Ein Rückblick auf die Bio-Veganen Landbautage 2015

Die Stühle warten schon auf die Teilnehmenden, Foto: Tofu
Von: US, TZ

Vom 13. bis 15. November 2015 fanden auf der Burg Lohra in Thüringen, die einigen Leser_innen noch von den Tierbefreiungskongressen 2009 und 2010 bekannt sein dürfte, die Bio-Veganen Landbautage unter dem Motto „Nutztierfreie Landwirtschaft als Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz“ statt. Organisiert wurde die dreitägige Tagung fast ausschließlich ehrenamtlich von Mitgliedern des Biologisch-Veganen Netzwerkes für Landwirtschaft und Gartenbau (BVN)1.Zwei Aktive des Tierbefreiungsarchives2 waren vor Ort und möchten nun endlich davon berichten.
„Wenn man die Kritik an Tierhaltung konsequent zu Ende denkt, ist biovegane Landwirtschaft die einzige Option“ – mit diesem Zitat von Eugen Ehrenberg, einem bio-veganen Landbaupionier vom 1978 gegründeten Gärtnerhof Bienenbüttel3, wurden wir am Freitagabend zur Begrüßung und der ersten Keynote in Empfang genommen. Später lernten wir die ersten Teilnehmer_innen kennen, konnten uns bereits vernetzen und einen ersten gemeinsamen Abend miteinander verbringen.
Am Samstag wartete dann ein vielfältiges Programm4, bei dem wahrscheinlich Jede_r auf ihre/seine Kosten kam. Dem Motto entsprechend gab es je einen Veranstaltungsblock zur „Nährstoffversorgung im veganen Anbausystem“ und zum „Anbau von Körnerleguminosen“. Hierbei ging es um Bodenfruchtbarkeit, Nährstoffbilanzen, Anbauverfahren etc.. Ein besonderes Highlight war der Vortrag von Margarete Langerhorst, die ihre bio-vegane Mischkulturenpraxis vorstellte, die sie in Oberösterreich bereits seit 1973 betreibt. Ein Besuch auf ihrem Hof ist für Interessierte möglich und nach den gesehenen Bildern sehr zu empfehlen5.
Doch neben den eher naturwissenschaftlichen Grundlagen des bio-veganen Anbaus ging es in einem dritten Veranstaltungsblock auch um tierethische Aspekte. In diesem Rahmen leitete Dr. Friederike Schmitz einen Workshop zum Thema Tierrechte, der nicht nur thematisierte, warum keine Nutztiere gehalten werden sollten, sondern zum Beispiel auch wie ein Umgang mit sog. „Schädlingen“ aussehen könnte. Ziel des Workshops war es, in Kleingruppen herauszuarbeiten, wie tierethische Aspekte in die bio-veganen Anbaurichtlinien einfließen können und sollen. Dazu ist anzumerken, dass das BVN plant, einen eigenen Anbauverband mit entsprechenden Richtlinien für die bio-vegane Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum zu gründen, da bisher keine Strukturen bestehen und Gärtner_innen und Landwirt_innen nur auf die Richtlinien aus Großbritannien zurückgreifen können6.
In einem vierten Veranstaltungsblock ging es schließlich um „Schritte zur Formalisierung der Bio-Veganen Landbaubewegung“, sprich um die Verbandsgründung. Dabei standen Fragen zu V-Labelling, Öko-Kontrolle und dem Ablauf der Verbandsgründung in Großbritannien im Mittelpunkt.
Am Abend wurde das Programm noch mit einigen Kurzvorträgen abgerundet: Daniel Mettke vom BVN stellte beispielsweise das Netzwerk vor, während Anja Bonzheim die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit zum Beratungsbedarf von bio-veganen Landwirt_innen darlegte. In einem weiteren Vortrag kamen Praktiker_innen des bio-veganen Gartenbaus zur Sprache: die Landwirt_innen Meike und Arne Wessel der „SoLaWi Gemeinschaftsgärtnerei Wildwuchs e.V.“ aus der Nähe von Hannover stellten ihr Konzept einer bio-vegan wirtschaftenden und solidarisch organisierten Landwirtschaft vor7. Sie sprachen von ihren Erfahrungen mit einem Landwirtschaftskonzept, das dem kapitalistischen Markt soweit wie möglich den Zugang auf die angebauten Lebensmittel entzieht.
Konstantinos Tsilimekis (Leiter des Wissenschaftsressorts der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt) sprach im Anschluss über die bio-vegane Landwirtschaft aus Sicht von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen. Im Rahmen dieses Vortrages wurden vor allem Vernetzungsmöglichkeiten sowie Überschneidungen in der gemeinsamen Zielsetzung hervorgehoben. Für Aktive der Tierrechts- und vor allem der Tierbefreiungsbewegung ist die Beschäftigung mit dem Thema bio-vegane Landwirtschaft und die Vernetzung mit Landwirt_innen und Gärtner_innen aus mehreren Gründen sinnvoll. Zum einen kann die Idee einer veganen Produktion weiter verbreitet werden. Ebenfalls wird dadurch die vegane Infrastruktur in der jeweiligen Region gestärkt. Die Kombination mit Konzepten der solidarischen Landwirtschaft als Alternative zur kapitalistisch organisierten Agrarindustrie sollte ebenso die Unterstützung von Tierbefreiungsbewegten finden. Gleichzeitig können Tierbefreiungsaktivist_innen auch zur Diskussion um die Entwicklung der bio-veganen Landwirtschaft und der zugehörigen Richtlinien beitragen. Als Beispiel für einen tierethischen Aspekt der Diskussion sei erwähnt, dass in den VON-Richtlinien vermerkt ist, dass keine Futtermittel angebaut werden dürfen. Das sehen wir im Prinzip ähnlich, da auch wir der Meinung sind, dass tierhaltende Betriebe nicht unterstützt werden dürfen. Dennoch wurde darauf hingewiesen, dass auch Lebenshöfe als „Zufluchtsort für misshandelte, ausgebeutete oder für einige Menschen wertlos gewordene Tiere“ und „praktische Konsequenz aus Tierbefreiungen“, wie es im Flyer von die tierbefreier e.V.8heißt, Futtermittel für Tiere benötigen. Da der BVN selbst angibt, die landwirtschaftliche „Tierproduktion“ und „ebenso ihre vor- und nachgelagerten Bereiche der Tierausbeutung, Schlachtung, Mist- und Güllewirtschaft“ abzulehnen9, sollten Lebenshöfe unbedingt unterstützt und deshalb als Ausnahme in die Richtlinien aufgenommen werden.
Die Landbautage endeten letztlich mit einer Zukunftswerkstatt am Sonntag, bei der viele Utopien, aber auch konkrete Pläne zur Zukunft der bio-veganen Landwirtschaft entstanden. Ideen waren beispielsweise ein Informations- und Aufklärungsflyer sowie ein Film zur bio-veganen Landwirtschaft als Teil der Utopie einer veganen und ausbeutungsfreien Gesellschaft.
Zu guter Letzt möchten wir uns an dieser Stelle bei den Organisator_innen dieser Tagung bedanken. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass 2016 ebenfalls wieder bio-vegane Landbautage geplant sind. Die Menschen vom BVN freuen sich über Unterstützung – sowohl für die nächste Tagung als auch die alltäglichen Arbeiten.
In diesem Sinne: für „Eine Landwirtschaft ohne Mist und ohne Ausbeutung!“

  1. http://biovegan.org/ [zurück]
  2. http://www.tierbefreiungsarchiv.de [zurück]
  3. Gärtnerhof Bienenbüttel im Porträt: http://www.taz.de/!5035762/ [zurück]
  4. Das vollständige Programm und weitere Informationen zur Tagung sind hier zu finden: http://biovegan.org/landbautage-2015/ [zurück]
  5. http://www.gugerling.at/media/programm.pdf [zurück]
  6. Die Richtlinien des VON (Vegan Organic Network) aus Großbritannien wurden von BVN-Mitgliedern hier übersetzt: http://biovegan.org/wp-content/uploads/2012/09/bio-vegan-standards-2007_Maerz-2012.pdf [zurück]
  7. Informationen zur SoLaWi Wildwuchs gibt es hier: http://www.solawi-wildwuchs.de/ und zum Konzept der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) hier: http://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/was-ist-solawi/die-idee/ [zurück]
  8. https://www.tierbefreier.de/bilder/tb_lebenshoefe_web.pdf [zurück]
  9. http://biovegan.org/wir-ueber-uns/ [zurück]

save the date

Am 02.04.2016 wird es in Döbeln im Treibhaus e.V. (Bahnhofstraße 56) einen Tag der offenen Tür geben.
Wir als Archiv werden uns an diesem Tag beteiligen und haben kleine Überaschungen in der Hinterhand.

Also seid gespannt und kommt vorbei:-)